International Kempo Federation (IKF)
Die International Kempo Federation (IKF) wurde 2002 in Budapest von Olaf Bock, Amatto Zaharia, Ray Ferrel (vertreten durch Rob Rivers), Gábor Lovász, Tamás Lengyel und Robert Szyka gegründet und hat sich seitdem zu einem weltweit etablierten Verband entwickelt. Bereits 2003 fanden die ersten Weltmeisterschaften statt. Viele weitere Veranstaltungen schlossen sich an – der Beginn einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte.
Heute ist die IKF mit Mitgliedsorganisationen auf allen Kontinenten vertreten und steht für eine erfolgreiche, internationale Zusammenarbeit im Kempo.
Doch das ist nur der sichtbare Teil. Die eigentlichen Wurzeln der IKF reichen deutlich weiter zurück – zu einer Idee, deren Zeit zunächst noch nicht gekommen war.



Die Wurzeln – Eine Idee entsteht
Im Jahr 1994 trafen sich Kempo-Vertreter in Brüssel, um die European Kempo Union (EKU) ins Leben zu rufen. Die Vision war ambitioniert: ein stiloffener, länderübergreifender Verband, der die Vielfalt der Kempo-Systeme unter einem gemeinsamen Dach vereint. Gemeinsame Wettkämpfe, Seminare und ein intensiver Austausch sollten diese Idee tragen.
Doch die Realität erwies sich als schwierig. Über viele Jahre hinweg standen die Interessen der einzelnen Stilrichtungen im Vordergrund – insbesondere die Verbreitung und Stärkung des eigenen Systems. Der Gedanke, sich in einer offenen Struktur zusammenzuschließen, stieß auf große Skepsis. Die Sorge, Identität oder Einfluss zu verlieren, überwog. So verlief sich die Initiative der EKU schließlich im Sande. Die Idee wurde zurückgestellt – aber nie ganz aufgegeben.
Neue Impulse
Anfang der 2000er Jahre nahm diese Idee erneut Gestalt an. Eine Reise mit meiner Wettkampfmannschaft zu einem internationalen Kampfkunstevent in Irland brachte den entscheidenden Impuls. Dort lernte ich Kampfsportler aus Ungarn kennen, die mich zu einem Turnier nach Budapest einluden. Wir folgten dieser Einladung Ende 2000 – und aus einem Wettkampf entwickelte sich mehr.
Aus Begegnungen wurden Kontakte, aus Kontakten entstanden neue Möglichkeiten. Bereits 2001 fanden erste Seminare in Ungarn statt, weitere folgten 2002. Mit jedem Treffen wuchs nicht nur das Netzwerk, sondern auch der internationale Austausch – unter anderem mit Kampfsportlern aus Russland, der Slowakei und Rumänien.
Der Wendepunkt
Eine dieser Begegnungen führte zu einer Einladung nach Rumänien. Im Sommer 2002 reiste ich nach Bukarest, wo ich auf Einladung von Amatto Zaharia ein fünftägiges Seminar leitete. Doch ich brachte mehr mit als nur meine Kampfkunst. Als Mitbegründer der EKU trug ich weiterhin die Vision einer stiloffenen, internationalen Plattform in mir.
In Rumänien traf diese Idee erstmals auf breite Zustimmung. Die Offenheit und das gemeinsame Interesse waren spürbar. Zwischen Trainingseinheiten und intensiven Gesprächen begann sich eine klare Perspektive zu entwickeln. Die Gründung einer internationalen Föderation wurde konkret diskutiert – zielgerichtet, entschlossen und mit dem Bewusstsein, aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt zu haben.
Schnell wurde deutlich: Die Zeit war reif. Aus einer Idee, die Jahre zuvor gescheitert war, wurde nun ein tragfähiges Projekt.
Der letzte Schritt zur Gründung
Mit dieser gefestigten Vision reiste ich von Bukarest weiter an den Balaton in Ungarn, wo ich auf Einladung des Ungarischen Kempo-Verbandes als Referent an einem mehrtägigen Trainingslager teilnahm. Dort stellte ich die Idee einer International Kempo Federation erstmals einem größeren Kreis vor. Trotz anfänglicher Skepsis waren die ungarischen Freunde bereit, sich auf diesen neuen Weg einzulassen.
So kam es schließlich – kurz vor Weihnachten 2002 in Budapest – zur Gründung der International Kempo Federation.
Die Aufbauphase
Nun war sie offiziell gegründet, mit mir als erstem Präsidenten an der Spitze. Doch zunächst existierte vieles nur auf dem Papier und musste mit Leben gefüllt werden. Das bedeutete intensive Aufbauarbeit – und zugleich ein äußerst ambitioniertes Ziel: Bereits im Oktober 2003 sollte das erste internationale Event der IKF als öffentlicher Auftakt in Bukarest stattfinden.
Unmittelbar nach der Gründung begann ich, mein Netzwerk zu aktivieren und Weggefährten für diese Idee zu gewinnen. Ich reiste unter anderem nach Belgien zu Daniel Hayen, in die Niederlande zur K.A.N. sowie nach Dänemark zu Jörn Brandt, der leider viel zu früh verstorben ist. Schritt für Schritt wuchs die Unterstützung.
Erstes internationales Event und Etablierung als Weltverband
Im Oktober 2003 war es schließlich so weit: Mannschaften aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Portugal, Rumänien, Ungarn, der Slowakei und den USA kamen in Bukarest zusammen, um den ersten internationalen Auftritt der IKF zu gestalten. Weitere Veranstaltungen folgten – 2004 in Deutschland, 2005 in der Schweiz und 2006 in der Slowakei.
Trotz einer herausfordernden Anfangsphase entwickelte sich die International Kempo Federation zu einem etablierten Weltverband mit Mitgliedsorganisationen auf allen Kontinenten.
Persönliche Anmerkung
Im Jahr 2008 zog ich mich aus persönlichen Gründen aus der aktiven Arbeit in der IKF zurück. Doch auch ohne diese Rolle bin und bleibe ich der IKF tief verbunden – als Gründer, als Ehrenpräsident und vor allem mit dem Herzen.
Die IKF ist ein Teil meines Lebens. Sie steht für eine Idee, an die ich immer geglaubt habe – auch in Zeiten, in denen sie noch fern schien. Zu sehen, was daraus entstanden ist, erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit. Rückblickend war die Gründung der IKF und der beharrliche Glaube an diese Vision einer der bedeutendsten Meilensteine für die Entwicklung des Kempo.
Die Geschichte der IKF ist mehr als nur die Entwicklung eines Verbandes – sie ist der Beweis dafür, dass eine Vision Wirklichkeit werden kann, wenn Menschen an sie glauben und bereit sind, ihren Weg gemeinsam zu gehen.
Was 1994 als mutige Idee begann, getragen von dem Wunsch nach Einheit und Austausch, wurde 2002 zur Realität. Heute steht die IKF als weltweit etablierte Organisation für genau diese Werte.